Arbeitsfähigkeit im Unternehmen erhalten und fördern

 

 

Grafik Haus der Arbeitsfähigkeit nach J. Ilmarinen

Haus der Arbeitsfähigkeit nach J. Ilmarinen

Angesichts älter werdender Belegschaften wird der langfristige Erhalt der Arbeitsfähigkeit zu einem zentralen Thema der Personalentwicklung. Die Bereitschaft, mehr in die Gesundheit älterer Beschäftigter zu investieren, ist deutlich gestiegen. Allerdings erschöpfen sich Angeote im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagemetns  häufig in kurzfristigen Maßnahmen wie Gesundheits- und Fitnesskurse oder Ernährungsberatung. Übersehen wird dabei, dass physische Gesundheit nur einen – wenn auch wesentlichen – Aspekt darstellt. Welche weiteren Dimensionen die individuelle Arbeitsfähigkeit beeinflussen, zeigt das Konzept des „Haus der Arbeitsfähigkeit“. Best-Practicebeispiele und Tipps finden Unternehmen und Beschäftigte in der aktuellen InterviewreiheArbeitsfähigkeit in Unternehmen erhalten und fördern“ von aufbruch-und-wandel.de

Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (destatis) wird der Anteil der Erwerbsfähigen in der deutschen Bevölkerung in den nächsten Jahren um mehr als 6 Millionen abnehmen. Gleichzeitig führt der demografische Wandel dazu, dass sich der Altersdurchschnitt von Belegschaften deutlich erhöhen wird. Während heute die mittlere Altersgruppe (30- bis 49-Jahre) mit knapp 50 Prozent die Mehrheit bildet, wird von 2017 bis 2024 ihr Anteil auf rund 40 Prozent sinken. Gleichzeitig steigt der Anteil der 50- bis 65-Jährigen von heute 31 auf ebenfalls 40 Prozent. Die stärkste Zunahme wird dabei in der Altersgruppe der 60 – bis 65-Jährigen erwartet.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass betriebliche Maßnahmen zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit nicht nur ältere Beschäftigte, sondern präventiv auch die mittleren Jahrgänge mit einbeziehen müssen. Mit dem Haus der Arbeitsfähigkeit steht Ihnen hierfür ein flexibel nutzbares Gesamtkonzept zur Verfügung, das die einzelnen Handlungsfelder (Gesundheit, Motivation, Qualfikation und Führung, aufzeigt und dabei die Wechselwirkung von betrieblichen Arbeitsanforderungen, individueller Leistungsfähigkeit und einer alternssensiblen Unternehmenskultur.

Arbeitsfähigkeit ist relativ und beeinflussbar

Das Konzept der Arbeitsfähigkeit (Workability) wurde bereits in den 1980er Jahren unter der Leitung von Prof. Dr. Juhani Ilmarinen und dem deutschen Betriebsarzt Jürgen Tempel am Finnish Institute of Occupational Health (FIOH) entwickelt. Die Wissenschaftler gingen in ihrem Forschungsprojekt der Frage nach, mit welchen Maßnahmen zwei zentrale Ziele erreicht werden können: Das

a) möglichst alle Mitarbeiter bei guter Gesundheit das Rentenalter erreichen und

b) Unternehmen auch mit älteren Mitarbeitern wirtschaftlich erfolgreich am Markt agieren können.

In zwölf Langzeitstudien konnten sie dabei nachweisen, dass die Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten von verschiedenen Faktoren abhängt und im Laufe des Berufslebens abnimmt, wenn sie nicht gezielt und dauerhaft gefördert wird. Arbeitsfähigkeit wird nach Ilmarinen als „Summe der Faktoren (verstanden), die eine Person in einer bestimmten Situation in die Lage versetzen, eine gestellte Aufgabe zu bewältigen.“ Oder, etwas einfacher ausgedrückt: Arbeitsfähigkeit bezeichnet die Balance zwischen dem, was von uns verlangt wird und dem, was wir leisten können. Die Definition betont den Zusammenhang zwischen individuellen Ressourcen und betrieblichen Arbeitsanforderungen und grenzt den Begriff der Arbeitsfähigkeit damit von der allgemeinen persönlichen Leistungsfähigkeit ab. Die Arbeitsfähigkeit eines Beschäftigten kann nach Ilmarinen nicht generell, sondern immer nur direkt in Bezug auf den konkreten Arbeitsplatz bzw. die Passung zwischen persönlichen Ressourcen und Arbeitsanforderungen bewertet werden.

Gesunde Arbeit braucht alternsgerechte Arbeitsplätze

Eine gute Arbeitsfähigkeit bedeutet daher, das Mitarbeiter mit den ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen die gestellten Arbeitsanforderungen auch tatsächlich erfüllen können. Eng verbunden ist das Konzept einerseits mit dem der Beschäftigungsfähigkeit (Employability), das auf die Verantwortung von (potentiell) Beschäftigten abzielt, sich flexibel und eigenverantwortlich auf wechselnde Anforderungen eines globalisierten, technik- und dienstleistungszentrierten Arbeitsmarktes einzustellen. Andererseits zeigt das Konzept deutlich, dass Mitarbeiter alleine mit einem gesunden Lebensstil wenig ausrichten können. Neben einem wertschätzenden Führungsstil spielen auch Arbeitsorganisation, lebensphasen- und kompentenzorientierter Personaleinsatz, Zugang zu Weiterbildungen, die Gestaltung von ergonomischen und alterngsgerechten Arbeitsplätzen und nicht zuletzt ein offenes und kollegiales Betriebsklima eine entscheidende Rolle.

weiter zu Teil 2: Vorteile für Unternehmen und Beschäftigte

 

<<< Machen Sie mit: Interviewreihe „Arbeitsfähigkeit erhalten und fördern“ >>>

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.