Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen“

Aufbruch und Wandel ist offizieller Medienpartner der EU-Kampagne "Gesunde Arbeitsplätze"

Mediapartner Healthy WorkplacesArbeitsbedingter Stress ist nach Muskel- und Skeletterkrankungen das zweithäufigste arbeitsbedingte Gesundheitsproblem in Europa. Etwa die Hälfte der Arbeitnehmer ist der Ansicht, dass arbeitsbedingter Stress an ihrem Arbeitsplatz häufig auftritt. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hat daher ihre Kampagne 2014-2015 unter das Motto „Den Stress managen“ gestellt. 

Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen“

Die Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen“  wird in mehr als 30 Ländern durchgeführt. Ziel ist es, das Verständnis für arbeitsbedingten Stress und psychosoziale Risiken bei Arbeitgebern, Führungskräften und Beschäftigten zu erhöhen. Mit Handlungsempfehlungen, Leitfäden, Informationsmaterial und Best-Practice-Beispielen sollen Unternehmen dabei unterstützt werden, durch vorausschauendes und präventives Handeln negative Auswirkungen zu vermeiden. Das Demografieblog Aufbruch und Wandel ist ab sofort offizieller Medienpartner der Kampagane „Healthy Workplace Manage Stress“ und wird in regelmäßigen Abständen über die Kampagne berichten.

50–60 Prozent aller Fehltage von Beschäftigten sind auf arbeitsbedingten Stress zurückzuführen. Stress und andere psychosoziale Risiken entstehen vor allem durch eine mangelnde Arbeitsgestaltung, ungünstige betriebliche Rahmenbedingungen und mangelnde soziale Unterstützung durch Vorgesetzte. Als häufigste Ursache wurden in einer gesamteuropäischen Meinungsumfrage der EU-OSHA Umstrukturierungen im Unternehmen, die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes (72 Prozent der Befragten), Überstunden oder Arbeitsüberlastung (66 Prozent) und Schikanen oder Einschüchterung am Arbeitsplatz (59 Prozent) genannt. Gleichzeitig bewerteten vier von zehn Arbeitnehmer den Umgang mit Stress in ihrem Unternehmen als nicht angemessen.

Überforderung, Mängel in der Arbeitsorganisation und fehlende Wertschätzung

Arbeitsbedingter Stress entsteht, wenn Arbeitnehmer über einen längeren Zeitraum von ihrer beruflichen Tätigkeit überfordert sind. Ursache sind dabei nicht nur Überforderung am Arbeitsplatz und eine mangelhafte Arbeitsorganisation, sondern auch eine Arbeitskultur, die Beschäftigten nur ein Minimum an eigenverantwortlichem Handeln und Mitbestimmung zugesteht. Weitere Gründe sind:

  • extrem anspruchsvolle Tätigkeiten und anhaltender Zeitdruck
  • mangelnde Klarheit über die Aufgabenstellung
  • Diskrepanz zwischen Anforderung und Fähigkeiten der Beschäftigten
  • isoliertes Arbeiten und ineffiziente Kommunikation
  • mangelnde Eigenverantwortung und kaum Mitspracherecht
  • fehlende Unterstützung durch Führungskräfte
  • ungerechte Vergütung und fehlende Karrierechancen
  • Umstrukturierungen und Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes

Die Folgen für Beschäftigte sind erheblich. Stressbedingte Beeinträchtigungen reichen von einer allgemein schlechten psychischen Verfassung über Konzentrationsschwierigkeiten und einer höheren Fehlerquote bis hin zu Burnout, Drogen- und Alkoholmissbrauch, Herz-Kreislauferkrankungen sowie Muskel- und Skelettbeschwerden.

Mehr als 50 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage sind stressbedingt

Ebensoinfographic healthy workplaces_Kosten durch Stress sind die Folgen für Unternehmen immens: Neben einer insgesamt niedrigeren Produktivität sind nach Angaben der EU-OSHA 50 bis 60 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage auf arbeitsbedingten Stress und psychosoziale Risiken zurück zu führen. Damit steht Stress hinter Muskel- und Skeletterkrankungen an zweiter Stelle der arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen in Europa. Die Kosten für die europäischen Volkswirtschaften sind immens. Auf jährlich rund 240 Mrd. Euro werden die Gesamtkosten durch psychische Erkrankungen (arbeitsbedingt und anderweitig) in Europa geschätzt.

Allein 136 Mrd. Euro kommen dabei durch Produktivitätseinbußen einschließlich krankheitsbedingter Abwesenheit zustande. Laut einer aktuellen europäischen Umfrage (ESENER) zu Folge, zeigen sich knapp 80 Prozent der Manager in Europa über die Folgen arbeitsbedingten Stresses besorgt. Gleichzeitig halten mehr als 40 Prozent der befragten Arbeitgeber das Management psychosozialer Risiken für schwieriger als das „traditioneller“ Risiken. Als größte Hemmnisse werden die „Bedeutung des Themas“ und der „Mangel an Fachwissen“ genannt.

Gesund Führen muss gelernt werden

Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die die Gesundheit und Wohlbefinden von Beschäftigten nachhaltig beeinträchtigen können. Der Arbeitsumgebung und einer guten Führung kommt jedoch eine zentrale Bedeutung zu, wenn es um den langfristigen Erhalt der Arbeitsfähigkeit von Belegschaften geht. In ihrem Leitfaden zur Kampagne betonen die Autoren die Notwendigkeit, alle Beteiligten – Beschäftigte, Führungskräfte, Unternehmensleitung – in den Prozess zur Förderung einer guten psychosozialen Arbeitsumgebung einzubinden.

„Psychosoziale Gefahren“, heißt es hier, „gibt es an jedem Arbeitsplatz, sie lassen sich jedoch auch mit begrenzten Mitteln erfolgreich managen. (…) Niemand ist von Natur aus eine gute Führungskraft.Die Fähigkeiten für eine gute Mitarbeiterführung müssen ebenso erlernt und weiterentwickelt werden wie andere Fähigkeiten auch.“ Wichtig sei jedoch, dass Führungskräfte gegenüber ihren Mitarbeitern eine Vorbildfunktion übernähmen. Ein gute Führungskraft „inspiriert die Arbeitnehmer und motiviert sie, ihr Potenzial auszuschöpfen. Sie ist offen und zugänglich und versteht die Stärken und Schwächen der Mitarbeiter im Team“.

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Medienpartnerschaft „Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen“

Das Demografieblog Aufbruch und Wandel ist offizieller Medienpartner für Deutschland Insgesamt unterstützen 21 europäische Medien die EU-Kampagne. Hinzu kommen bisher mehr als 60 Unternehmen und Organisationen, die als Kooperationspartner die EU-OSHA Healthy Workplace Kampagne 2014-2015 unterstützen.

EU-Osha Jahresbericht 2013 veröffentlicht

Der jetzt veröffentlichte Jahresbericht 2013 der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zeigt, dass bereits die Vorbereitungen zur Kampagne „Healthy Workplaces – Manage Stress“ äußerst erfolgreich waren: „The past Year has seen some significant achievements for the Agency“, so EU-Osha Direktorin Dr. Christa Sedlatschek in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung. „The key to the success of this campaign was be be found in its slogan, highlighting the importance of working together.“.

Europäischen Unternehmensumfrage über neue und aufkommende Risiken (ESENER)

Der Report 2013 stellt weitere zentrale Projekte und Kampagnen vor, mit der die EU-Osha sich in den letzten Jahren europaweit engagiert hat. Kernstück ist die dritte europäische Meinungsumfrage „Occupational Safety and Health“ an der sich 16.500 Beschäftigte in 31 EU-Ländern beteiligten. Die Ergebnisse dieser Umfrage fließen unter anderem in die Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen“. Auch die Vorbereitungen für die zweite Ausgabe eines weiteren Vorreiterprojekts der Agentur — der Europäischen Unternehmensumfrage über neue und aufkommende Risiken (ESENER) — wurden 2013 abgeschlossen. Diese wichtige Arbeit bietet einen Einblick darin, wie in Europa mit Arbeitsplatzrisiken umgegangen wird. 2014 wird die Umfrage erstmals auch Kleinstunternehmen (mit 5 bis 10 Beschäftigten) sowie den Agrarsektor umfassen. Weitere Projekte waren dieDurchsicht und Auswertung der einschlägigen Fachliteratur zum Thema „New risks and trends on the safety and health of women at work“, die neben anderen Einblicken auch neueste Erkenntnisse zu Krebserkrankungen bei  Frauen und zu berufsbedingten Gefahren für die Fortpflanzungsgesundheit von Frauen lieferte: Neue Risiken und Entwicklungen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz von Frauen am Arbeitsplatz„.

Sicherere und gesündere Arbeitsplätze in jedem Alter

Im Dezember 2013 fand darüber hinaus im Europäischen Parlament eine Konferenz mit dem Schwerpunkt Sicherheit und Gesundheitsschutz älterer Arbeitnehmer statt. Die Veranstaltung wurde im Rahmen eines Pilotprojekts des Europäischen Parlaments organisiert, das die EU-OSHA auf Ersuchen der Europäischen Kommission durchführt. Dieses Projekt zielt darauf ab, die Kenntnis derzeitiger Strategien und Programme zu verbessern, den Austausch bewährter Praktiken anzuregen und die Untersuchung von Methoden zur Verbesserung des Gesundheitsschutzes und der Sicherheit älterer Arbeitnehmer weiter voranzutreiben. Der Tagungsbericht „Sicherere und gesündere Arbeitsplätze in jedem Alter – Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit im Kontext einer alternden Belegschaft“ wurde ebenfalls (in englischer Sprache) veröffentlicht und kann hier eingesehen werden.

 

Über die EU-OSHA

Die Aufgabe der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) besteht darin, dazu beizutragen, dass die Arbeitsplätze in Europa sicherer, gesünder und produktiver werden. Die Agentur untersucht, entwickelt und verbreitet verlässliche, ausgewogene und unparteiische Informationen über Sicherheit und Gesundheitsschutz und organisiert europaweite Kampagnen zur Sensibilisierung. Die Agentur wurde 1994 von der Europäischen Union gegründet und hat ihren Sitz in Bilbao, Spanien. Sie bringt nicht nur Vertreter der Europäischen Kommission, der Regierungen der Mitgliedstaaten, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen, sondern auch führende Sachverständige zusammen – und dies in jedem der 28 EU-Mitgliedstaaten und darüber hinaus.

Den Leitfaden zur Kampagne „Stress und psychosoziale Risiken bei der Arbeit managen“ können Sie hier als PDF downloaden,

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