Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand

Studie zu Lebenssituation der 55- bis 70-Jährigen in Deutschland

In einer vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung durchgeführten repräsentativen Studie zur Lebenssituation der 55- bis 70-Jährigen in Deutschland wurden bei 5.000 Befragten die Lebensspanne des Übergangs in den Ruhestand untersucht und dabei erstmals auch die persönlichen Motive und Wünsche der Betroffenen erforscht. Dabei zeigte sich, dass Arbeit für Ältere vor allem bedeutet, eine sinnvolle Aufgabe zu haben, in Kontakt mit anderen Menschen zu sein und Erfahrungen weiter geben zu können. Die Studie zeigt auch, dass eine strikte Trennung zwischen Erwerbsleben und Ruhestand heute kaum noch der Lebenswirklichkeit der Generation 5oplus entspricht. Die Übergänge vom Erwerbsleben in den Ruhestand sind fließend geworden.

Rund ein Viertel aller Ruheständler sind mittlerweile erwerbstätig. Im Vergleich zu 1991 ist die Anzahl der erwerbstätigen Rentner von 320.000 auf 830.000 gestiegen, wobei Männer häufiger neben der Rente arbeiten als Frauen. Nach ihren Motiven befragt gibt die Mehrheit an, in erster Linie Spaß an der Arbeit zu haben, den Kontakte zu Kollegen zu schätzen und der Wunsch, sich geistig fit zu halten. Insgesamt arbeiten mehr Männer als Frauen und die Arbeitszeit beträgt bei mehr als 70 Prozent der Befragten nicht mehr als 15 Stunden in der Woche.

Differenzierte Altersbilder: Kompetenz – zuverlässig – loyal

Der Blick auf das Alter und das eigene Älterwerden hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Die Altersbilder in Gesellschaft, Wirtschaft und Medien sind vielfältiger und insgesamt positiver geworden. Als Pluspunkte sehen Ältere vor allem ihre überdurchschnittlich hohe Zuverlässigkeit, Kompetenz und Loyalität. Eher unterdurchschnittlich werden dagegen Faktoren wie Zielstrebigkeit, Lernbereitschaft, Kreativität und Risikofreude bewertet, Erstaunlich an den Ergebnissen ist, dass Ostdeutsche nach wie vor eine deutlich besseres Bild von der Arbeits- und Leistungsfähigkeit Älterer haben. Eigenschaften wie zuverlässig, kooperativ, zielstrebig und flexibel nehmen diese weit mehr für sich in Anspruch als Beschäftigte aus den alten Bundesländern.

Selbstverwirklichung und höhere Lebenszufriedenheit

Für rund ein Drittel der 55- bis 70-Jährigen ist es wichtig, das eigene Wissen an jüngere Generationen weiter zu geben. Aber auch der Wunsch, eine sinnvolle Aufgabe zu übernehmen, das soziale Netzwerk auszubauen, einen geregelten Tagesablauf zu haben sowie Anerkennung und Wertschätzung sind zentrale Motive. Deutlich gering ausgeprägt ist mit 32 Prozent die Bereitschaft, mit – oder bei – der Arbeit die Erwartungen anderer zu erfüllen,.Für etwa die Hälfte der Befragten spielen finanzielle Aspekte nur eine untergeordnete Rolle. Rund 41 Prozent der erwerbstätigen Ruheständler gehören der Einkommensgruppe „900 bis unter 1.500 Euro“ an, 26 Prozent beziehen ein Einkommen von 1.500 bis unter 2.000 Euro und 18 Prozent 2.000 Euro und mehr. Allerdings steigt auch bei dieser Altersgruppe die Zufriedenheit mit dem Einkommen.

Informelle Tätigkeiten und bürgerschaftliches Engagement

In diesem Bereich zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen. In der Altersgruppe der 55- 59jährigen engagieren sich nach wie vor Männer häufiger in Vereinen, Verbänden und im Rahmen der niederschwelligen Nachbarschaftshilfe (Männer 50%, Frauen 37%), während Frauen eher die Pflege der Eltern oder  Schwiegereltern übernehmen (Frauen 31%, Männer 21%). Vor allem in dieser Altersgruppe ist das Engagement-Potential deutlich ausgeprägt.Rund 60 Prozent der Befragten können sich vorstellen, ihre derzeitige ehrenamtliche Tätigkeit weiter auszubauen. Bei den 65- 70-Jährigen sind es nur noch etwa 40 Prozent. Die Motive für eine bürgerschaftliches Engagement sind ähnlich wie die für die Aufnahme einer bezahlten Arbeit: Spaß an der Tätigkeit, soziale Kontakte, geistig fit bleiben, Weitergabe von Wissen und Erfahrungen sowie Wertschätzung und Anerkennung. Hinzu kommen beim sozialen und gesellschaftlichen Engagement das Gefühl, gebraucht zu werden und der Wunsch, der Gesellschaft etwas zurück zu geben. Bei denjenigen, die noch nie ehrenamtlich tätig waren gaben mit jeweils 54 Prozent der Befragten an, keine Zeit zu haben – und noch nie gefragt worden zu sein.

Über die Studie „Transitions and Old Age Potential“

Die Studie „Transitions and Old Age Potential“ (TOP) wird vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung durchgeführt in Kooperation mit der SRH Hochschule Berlin,
der Leuphana Universität Lüneburg, der Jacobs University Bremen und der Columbia University New Yor. Einen Auszug der Ergebnisse bietet die hier vorgestellte Broschüre „ERWERBSARBEIT & INFORMELLE TÄTIGKEITEN DER 55- BIS 70-JÄHRIGEN IN DEUTSCHLAND“,

Hier können sie die Broschüre kostenlos herunter laden.

 

 

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